Im Namen des Volkes-Recht im Spiegel der Gesellschaft

Der 38. Richterratschlag 2012 wird sich mit dem Recht im Spiegel der Gesellschaft beschäftigen. Rechtsprechung im Namen des Volkes entspricht häufig nicht dem Rechtsempfinden der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land. Nicht nur mit der Politik in unserem Lande sind viele Menschen unzufrieden. Auch zwischen der öffentlichen Meinung und dem Recht ist immer häufiger eine Entfremdung festzustellen. Nicht alles was Recht ist, ist gerecht oder wird als gerecht empfunden.

Beim Richterratschlag 2012 wollen wir das Recht im politischen System Deutschlands kritisch betrachten und mit verschiedenen Beiträgen zum Stellenwert von Recht in der heutigen Zeit, zum Verhältnis Bürger und Obrigkeit, zur Partizipation an gesellschaftlichen und politischen Prozessen auch die Wechselwirkung zwischen Rechtsprechung und Politik herausarbeiten. Anknüpfend an den letzten Richterratschlag gibt es Gelegenheit zur kritischen Reflexion der eigenen Tätigkeit.

Erheblichen Einfluss auf das Recht und die Rechtsprechung hat auch die öffentliche Meinung. Nicht nur Litigation PR, vor einigen Jahren ein noch völlig unbekannter Begriff, wird heute von Prozessvertretern zielgerichtet eingesetzt, um die Meinung in der Öffentlichkeit und im Gerichtssaal massiv zu beeinflussen. Die Diskussionen an den Stammtischen, "Interessenjurisprudenz" und die Sozialisation der Richterschaft beeinflussen die Rechtsprechung in unserem Lande ebenfalls erheblich. Der Umgang mit Terroristen und Kriegsverbrechern, die strafrechtliche Verfolgung von Demokraten wegen der Störung von rechtsextremistischen Demonstrationen und die ambivalente Bedeutung des Arbeitsrechts im Kapitalismus sind allesamt Themen, mit denen wir uns beschäftigen wollen.

Angesichts des Tagungsortes in unmittelbarer Nähe zum Haus der Wannseekonferenz sollen in Zusammenarbeit mit dem Haus historische Bezüge zum Recht im Nationalsozialismus hergestellt werden.